KGV Theklaer Höhe e.V.
Tipps für den Garten
zurück zur Übersicht
Verfasst am 01.10.2026 um 10:48 Uhr

Regenwürmer – die kleinen Baumeister unserer Kleingärten

Bild ChatGPT


Was uns neue Forschung über künstliche Regenwurmgänge und gesunden Gartenboden lehrt


Wer im Kleingarten einen Regenwurm entdeckt, sollte sich freuen. Denn die unscheinbaren Bodenbewohner gehören zu den wichtigsten Helfern, die wir im Garten haben. Sie graben Gänge, lockern den Boden und schaffen damit etwas, das für unsere Pflanzen besonders wertvoll ist: Wege in tiefere Bodenschichten.


Eine aktuelle Untersuchung des Thünen-Instituts zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung solche natürlichen Bodenstrukturen haben können. Forschende haben auf Ackerflächen künstliche, tiefe Bodengänge angelegt. Die Pflanzenwurzeln nutzten diese erstaunlich schnell und konnten dadurch leichter in tiefere Bodenschichten vordringen. Dort stehen unter anderem Wasser und Nährstoffe zur Verfügung. In den untersuchten Versuchen konnten dadurch höhere Getreideerträge erzielt werden.


Für unseren Kleingarten bedeutet das allerdings nicht, dass wir nun mit Metallstäben Löcher in unsere Beete stechen sollten. Viel interessanter ist die Erkenntnis dahinter: Ein lebendiger, lockerer und gut strukturierter Boden ist ein entscheidender Baustein für gesunde Pflanzen.


Regenwürmer bauen ihre eigenen „Wurzelautobahnen“


Regenwürmer sind echte Bodeningenieure. Ihre Gänge können weit in den Unterboden reichen. Sie durchziehen dabei verschiedene Bodenschichten und schaffen Hohlräume, in denen sich Wasser bewegen kann und Pflanzenwurzeln leichter vorankommen.

Gerade bei trockener Witterung kann das wichtig sein. Wenn die obere Bodenschicht bereits ausgetrocknet ist, können tiefreichende Wurzeln Wasser aus tieferen Bereichen erschließen.


Die Untersuchungen des Thünen-Instituts zeigen, dass Pflanzen künstlich angelegte Gänge sehr schnell als Wachstumswege nutzen. Nach vier Monaten waren in dem Versuch sogar 86 Prozent der künstlichen Gänge von Wurzeln durchzogen. Bei natürlichen Regenwurmgängen waren es 72 Prozent.


Das macht deutlich: Boden ist weit mehr als einfach nur „Erde“.


Er ist ein komplexes System aus Mineralteilchen, Humus, Wasser, Luft, Wurzeln, Pilzen, Bakterien und unzähligen Bodenorganismen.


Was bedeutet das für unsere Kleingartenparzelle?


Auch auf einer rund 400 Quadratmeter großen Kleingartenparzelle können wir viel dafür tun, dass dieses System funktioniert.


Der wichtigste Grundsatz lautet: Den Boden möglichst wenig stören und möglichst viel Leben zulassen.


Ständiges Umgraben, Verdichten durch Befahren oder schwere Geräte und dauerhaft nackte Bodenflächen können die natürliche Bodenstruktur beeinträchtigen.


Stattdessen helfen einfache Maßnahmen:


Boden bedeckt halten
Mulch, Pflanzenreste oder eine Begrünung schützen den Boden vor Austrocknung und starken Temperaturschwankungen.


Regenwürmer fördern
Organisches Material, Kompost und eine möglichst schonende Bodenbearbeitung schaffen gute Bedingungen für Regenwürmer und andere Bodenlebewesen.


Wasser im Boden halten
Ein humusreicher, gut strukturierter Boden kann Wasser besser aufnehmen und speichern. Gleichzeitig ermöglichen die vielen Poren und Gänge einen besseren Wassertransport in tiefere Bodenschichten.


Wurzeln arbeiten lassen
Nicht nur Regenwürmer schaffen Wege. Auch Pflanzenwurzeln selbst hinterlassen nach ihrem Absterben feine Kanäle im Boden. Eine vielfältige Bepflanzung sorgt deshalb für eine vielfältige Bodenstruktur.


Verdichtung vermeiden
Schwere Fahrzeuge oder häufiges Betreten feuchter Beete können den Boden zusammendrücken. Besonders problematisch sind verdichtete Bodenschichten, durch die Wasser und Wurzeln nur schwer hindurchkommen.


Ein gesunder Boden ist ein natürlicher Wasserspeicher


Gerade mit Blick auf zunehmende Hitze- und Trockenperioden gewinnt dieses Thema an Bedeutung. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe beschreibt, dass Bodenstruktur, Poren und beispielsweise Regenwurmgänge maßgeblich daran beteiligt sind, wie Wasser im Boden gespeichert und transportiert wird. Regenwurmgänge können dabei bevorzugte Wege für den Wassertransport bilden.


Für den Kleingarten ist das eine wichtige Erkenntnis.


Wenn nach einem kräftigen Regenguss das Wasser möglichst schnell oberflächlich abläuft, ist für die Pflanzen wenig gewonnen. Viel besser ist es, wenn der Boden das Wasser aufnehmen und in seinen Poren speichern kann.


Ein lebendiger Boden funktioniert dabei ein Stück weit wie ein Schwamm.


Was wir auf unserer Parzelle konkret tun können


Es braucht dafür keine komplizierten technischen Lösungen. Viele Maßnahmen sind sogar ausgesprochen einfach:


  • Kompost verwenden und organische Substanz zurückführen

  • Beete möglichst ganzjährig begrünen oder mit Mulch bedecken

  • Abgeerntete Flächen nicht unnötig lange offen liegen lassen

  • Auf unnötiges Umgraben verzichten

  • Den Boden bei Nässe möglichst nicht betreten

  • Schwere Geräte nur dort einsetzen, wo sie wirklich notwendig sind

  • Unterschiedliche Pflanzen und Tiefwurzler miteinander kombinieren

  • Regenwürmer und andere Bodenlebewesen als Helfer betrachten – nicht als Schädlinge

  • Pflanzliche Rückstände sinnvoll im Garten verwerten


Dabei geht es nicht darum, jeden Garten in einen „Naturgarten“ umzuwandeln. Auch ein klassischer Nutzgarten kann einen lebendigen Boden haben.


Und was ist mit künstlichen Regenwurmgängen?


Die Forschung ist hier besonders spannend, aber noch am Anfang.


In den Versuchen des Thünen-Instituts wurden bis zu 80 Zentimeter tiefe künstliche Gänge in den Boden eingebracht. In zwei Untersuchungsgebieten führten diese zu messbaren Ertragssteigerungen. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass weitere Untersuchungen notwendig sind. Unter anderem ist noch offen, wie viele Gänge tatsächlich sinnvoll sind und wie sich das Verfahren unter unterschiedlichen Boden- und Wetterbedingungen auswirkt.


Für den Kleingarten ist deshalb nicht die technische Nachahmung der wichtigste Punkt.


Viel wichtiger ist die Erkenntnis:


Wenn wir die natürlichen Bodeningenieure fördern, arbeiten sie für uns – kostenlos, unermüdlich und ganzjährig.


Jeder Regenwurm ist ein kleiner Helfer


Vielleicht lohnt sich deshalb beim nächsten Umgraben oder Pflanzen ein etwas anderer Blick auf die Erde.

Ein Regenwurm ist nicht einfach nur ein Tier, das zufällig im Beet lebt. Mit seinen Gängen trägt er zur Bodenstruktur bei und unterstützt damit Prozesse, von denen unsere Pflanzen profitieren.


Und genau hier zeigt sich, dass nachhaltiges Gärtnern oft gar nicht kompliziert sein muss.


Wir müssen nicht alles selbst machen. Wir müssen manchmal nur die richtigen Bedingungen schaffen und die Natur ihre Arbeit machen lassen.


Quellen und weiterführende Informationen


MDR WISSEN: „Mehr Getreide durch künstliche Regenwurmgänge“, veröffentlicht am 30.09.2026. Der Beitrag berichtet über aktuelle Untersuchungen des Thünen-Instituts zu künstlich angelegten Bodengängen und deren Einfluss auf das Pflanzenwachstum.

Wiedermann, Elron et al. (2026): Artificial macropores increase crop productivity through improved root access to subsoils, Fachzeitschrift Plant and Soil, DOI 10.1007/s11104-026-09016-2.

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): Informationen zu Bodenstruktur, Wasserhaushalt und der Funktion von Regenwurmgängen im Boden.