KGV Theklaer Höhe e.V.
Verfasst am 31.08.2026 um 08:41 Uhr

Unser Kleingarten – viele Länder, eine Gemeinschaft - eine Geschichte von Daniela aus Portugal

Bild: privat Parzelle 85


Ich bin Daniela, aus dem Garten 85, ich komme aus Portugal und lebe schon seit vielen Jahren in Deutschland. Meine Familie aus Portugal lebt nicht hier. Deshalb bedeutet Heimat für mich auch, Erinnerungen an meine Familie, meine Kindheit und unsere Traditionen lebendig zu halten.


Mein Kleingarten ist für mich viel mehr als nur ein Ort, an dem ich Gemüse, Obst und Blumen pflanze. Er ist ein Ort zum Abschalten, zum Entspannen und für mich auch ein kleines Stück Portugal in Deutschland.


Besonders gerne pflanze ich Kartoffeln. Das klingt vielleicht ganz einfach, aber für mich sind Kartoffeln mit vielen schönen Erinnerungen verbunden. Als Kind habe ich in Portugal die Sommerferien mit meiner Familie verbracht. Garten, Natur, Ernte, gemeinsames Essen und die Zeit mit der Familie gehören zu diesen Erinnerungen. Wenn ich heute in meinem Kleingarten Kartoffeln pflanze und später ernte, denke ich oft an diese Zeit zurück.


Viele meiner schönsten Erinnerungen aus Portugal haben mit der Natur, der Ernte und dem gemeinsamen Essen zu tun. Dazu gehören zum Beispiel die Vindimas, die traditionelle Weinlese. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das gemeinsame Treten der Trauben mit den Füßen zur Weinherstellung. Es war nicht einfach nur Arbeit, sondern ein Erlebnis, bei dem Familie und Gemeinschaft zusammenkamen.


Auch die Zeit der Kirschen, Apfel und Pfirsiche gehört zu meinen Erinnerungen. Deshalb habe ich heute sogar Pfirsich-, Apfel- Kirschbäume in meinem Kleingarten. Wenn ich sie sehe und die Früchte wachsen, erinnert mich das an Portugal.


Auch beim Gemüse versuche ich, ein Stück meiner Heimat in meinen Garten zu bringen. Dazu gehört für mich die portugiesische Kohlart, die wir traditionell für Caldo Verde verwenden. Caldo Verde ist eine typische portugiesische Suppe mit sehr fein geschnittenem grünen Kohl. Sie gehört für mich genauso zu Portugal wie gegrillte Sardinen, die wir gerne mit Brot essen. Solche Gerichte sind für mich nicht nur Essen – sie sind mit Familie, Sommer, gemeinsamen Momenten und Heimat verbunden.


Da meine Familie aus Portugal nicht in Deutschland lebt, haben solche kleinen Erinnerungen für mich eine besondere Bedeutung. Im Garten fühle ich mich meiner Heimat und meiner Familie ein bisschen näher.


Zwischen der Gartenkultur in Deutschland und Portugal sehe ich einige Unterschiede. In Deutschland ist das Kleingartenleben stärker organisiert und es gibt viele Regeln und Vorgaben. Man muss sich zum Beispiel daran halten, wie der Garten genutzt und gepflegt werden soll. Das kannte ich aus Portugal so nicht.


In Portugal verbinde ich Garten und Landwirtschaft stärker mit Familie, Ernte, gemeinsamem Essen und Traditionen. Wenn etwas reif war, wurde geerntet, verarbeitet, gegessen und oft gemeinsam gefeiert. Die Weinlese, Obsternte oder das Gemüse aus dem Garten waren gleichzeitig auch Gelegenheiten, Zeit mit der Familie und anderen Menschen zu verbringen.


In Deutschland habe ich dagegen gelernt, dass ein Kleingarten nicht nur ein privater Ort ist, sondern auch Teil einer organisierten Gemeinschaft. Ich finde beide Seiten schön: die portugiesische Spontaneität, die Familienverbundenheit und die Traditionen, aber auch die deutsche Organisation und die Gemeinschaft im Kleingartenverein.


Am Anfang musste ich mich an manche Regeln erst gewöhnen und bei einigen habe ich mich auch gefragt: „Warum muss das so sein?“ Mit der Zeit versteht man aber, dass viele Regeln dazu beitragen, dass die Anlage gepflegt bleibt und viele unterschiedliche Menschen gut miteinander auskommen können.


Besonders schön finde ich die Gemeinschaft. Im Kleingarten begegnen sich Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Man spricht miteinander, tauscht Erfahrungen aus, hilft sich gegenseitig und lernt voneinander. Jeder bringt ein kleines Stück seiner eigenen Geschichte und Kultur mit.


Genau das finde ich besonders schön: In meinem Garten wachsen nicht nur Pflanzen. Dort wachsen auch Erinnerungen. Die Kartoffeln erinnern mich an meine Kindheit, die Pfirsichbäume an die Sommer und die Obsternte in Portugal und der portugiesische Kohl an Caldo Verde und gemeinsame Mahlzeiten. So kann ich Traditionen aus meiner Heimat auch hier in Deutschland weiterleben.


Für mich ist mein Kleingarten deshalb ein Ort der Ruhe, der Gemeinschaft und gleichzeitig ein Stück Heimat. Wenn ich dort sitze, etwas pflanze oder ernte, denke ich oft an Portugal und an meine Familie.


Wenn mich jemand aus Portugal fragen würde, wie es ist, einen Kleingarten in Deutschland zu haben, würde ich sagen: Es gibt viele Regeln – aber es gibt auch viel Gemeinschaft. Und das Schönste ist, dass man seinen Garten mit seinen eigenen Erinnerungen, Pflanzen und Traditionen gestalten und sich damit ein kleines Stück Heimat schaffen kann, auch wenn die Familie weit weg ist.


Daniela (Parzelle 85)