KGV Theklaer Höhe e.V.
Verfasst am 30.10.2026 um 15:53 Uhr

Unser Kleingarten – viele Länder, eine Gemeinschaft - eine Geschichte von Muhammed aus Syrien


Bild: privat


„Einen Kleingarten in Deutschland zu haben, ist eine wunderbare Erfahrung!“


Muhammed stammt aus Syrien und ist auch mit dem Wunsch nach einem eigenen Garten nach Deutschland gekommen. In seiner Heimat lebte er auf dem Land und kannte das Leben mit der Natur, den Anbau von Gemüse und das Zusammensein mit der Familie im Grünen. Deshalb stand für ihn schon früh fest, dass er auch in Deutschland einen eigenen Garten haben möchte. Doch der Weg dorthin war nicht ganz einfach.


Lange suchte Muhammed nach einem passenden Kleingarten. Schließlich erzählte ihm eine Freundin von der Arbeit, dass Verwandte von ihr ihren Garten abgeben wollten. Als er die Parzelle zum ersten Mal besichtigte, war diese allerdings in einem sehr schlechten Zustand. Zudem gab es Schwierigkeiten mit den vorherigen Pächtern, die viel Müll zurückgelassen hatten. Muhammed fühlte sich bei der Übergabe nicht ehrlich behandelt und war zunächst enttäuscht.


Unterstützung erhielt er von Martin (vom Vorstand Anm. d. Red.), der ihn bei der Übernahme begleitete und das Gespräch mit den vorherigen Pächtern suchte. So konnten die Probleme schließlich geklärt werden.


Besonders in Erinnerung geblieben ist Muhammed dabei die menschliche Seite dieser Begegnung. Er beschreibt Martin (vom Vorstand Anm. d. Red.) als einen freundlichen und hilfsbereiten Menschen, der alle gleich behandelt. Das war für ihn keine Selbstverständlichkeit. Während seiner Suche hatte er bei Verantwortlichen anderer Gartenanlagen teilweise das Gefühl, wegen seiner Herkunft anders behandelt zu werden. Diese Erfahrungen hatten ihn zunächst entmutigt.


Umso größer war die Freude, als sich am Ende alles zum Guten wendete. Heute sagt Muhammed, dass er für sich den schönsten Garten, die besten Nachbarn und einen besonders herzlichen Ansprechpartner gefunden hat. Dafür möchte er sich bei allen bedanken – ganz besonders bei Martin (vom Vorstand Anm. d. Red.).


Ein Ort, an dem die Familie glücklich ist


Für Muhammed und seine Familie ist der Kleingarten viel mehr als eine Parzelle mit Gemüsebeeten und Blumen. Er ist ein Ort, an dem sie glücklich sind und gemeinsam Zeit verbringen können.


Eine Tradition aus seiner Heimat ist dabei besonders wichtig: In Syrien kommen Familien an freien Tagen gerne zusammen. Diese Gewohnheit pflegt Muhammed auch in Deutschland. Wenn es die Zeit erlaubt, trifft sich die ganze Familie im Garten. So verbindet der Kleingarten nicht nur die Menschen mit der Natur, sondern bewahrt auch ein Stück vertrauter Heimat.


Das Leben im deutschen Kleingarten bringt für ihn Freude und Verantwortung zugleich mit sich. Die regelmäßige Pflege der Pflanzen und Beete erfordert Disziplin und eine gute Planung. Auch die Regeln des Kleingartenwesens sieht Muhammed grundsätzlich positiv. Sie helfen dabei, die Anlage ordentlich zu halten, das Zusammenleben zu organisieren und dafür zu sorgen, dass sich alle wohlfühlen.


Eine Regel hat ihn anfangs allerdings überrascht: die Mittagsruhe. Gerade im Sommer, wenn die Gartensaison ohnehin kurz ist, möchte man manchmal auch zur Mittagszeit arbeiten. Laute Gartengeräte müssen dann jedoch ruhen. Inzwischen hat Muhammed die Vorteile dieser Regel schätzen gelernt. Denn es ist tatsächlich schön, sich mittags zurückzulehnen und die Ruhe im Garten zu genießen.


Syrische Pflanzenvielfalt mitten in Leipzig


Wer Muhammeds Garten besucht, entdeckt auch Pflanzen, die an seine Heimat erinnern. Besonders stolz ist er auf seine weißen Zucchini, die in Deutschland nicht überall zu finden sind. Dazu kommen scharfe Paprika, wilder Thymian, Rosmarin, Petersilie und Minze. Diese Pflanzen sind für ihn mehr als nur Zutaten für die Küche. Sie bringen vertraute Düfte und Geschmäcker in seinen Garten und verbinden sein heutiges Leben mit den Erinnerungen an seine Heimat.


Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen dem Gärtnern in Syrien und in Deutschland. Auf dem Land hatte Muhammed deutlich mehr Fläche zur Verfügung. Das wärmere Klima ermöglichte außerdem den Anbau einer größeren Vielfalt an Pflanzen. Im Sommer konnte die Familie einen großen Teil ihres Gemüses selbst ernten und musste kaum etwas dazukaufen.


Besonders das warme Klima vermisst Muhammed heute. In seiner Heimat wuchsen viele Pflanzen ohne zusätzlichen Dünger besonders gut. Trotzdem hat er sich an die Bedingungen in Deutschland angepasst und seinen eigenen Weg gefunden, vertraute Pflanzen und neue Erfahrungen miteinander zu verbinden.


Gute Nachbarschaft macht den Garten besonders


Fragt man Muhammed, was ihm am Kleingartenleben am besten gefällt, muss er nicht lange überlegen: die Natur, das viele Grün, die Blumen und die Ruhe. Eigentlich gefällt ihm einfach alles am Gartenleben.


Auch seine Nachbarn tragen wesentlich dazu bei, dass er sich in seiner Parzelle wohlfühlt. Er beschreibt sie als sehr nette Menschen und freut sich, sie an seiner Seite zu haben. Durch den Kleingarten hat er neue Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen.


Sein Lieblingsplatz ist die Terrasse. Dort sitzt er gerne und genießt den Blick ins Grüne. Zu seinen schönsten Erlebnissen gehört vor allem, so herzliche Gartennachbarn gefunden zu haben. Für Muhammed zeigt sich gerade darin, was einen Kleingartenverein ausmacht: Es geht nicht allein um den Anbau von Gemüse, die Pflege der Beete oder die Einhaltung von Regeln. Es geht ebenso um Begegnungen, gegenseitige Unterstützung und das Gefühl, willkommen zu sein.


Voneinander lernen und gemeinsam wachsen


Muhammed ist überzeugt, dass Menschen aus unterschiedlichen Ländern viel voneinander lernen können. Dazu gehört für ihn, Gärten gut zu organisieren und die Gartenarbeit sorgfältig zu planen. Gleichzeitig bringt jeder Mensch eigene Erfahrungen, Traditionen und Ideen mit, die das Vereinsleben bereichern können.


Seine Geschichte zeigt, wie vielfältig das Kleingartenwesen ist. Während manche Menschen einen Garten übernehmen, um Gemüse anzubauen, suchen andere einen Ort der Erholung oder einen Platz für die Familie. Oft kommt vieles zusammen.


Für Muhammed ist sein Kleingarten heute all das: ein Ort zum Pflanzen und Ernten, ein Treffpunkt für die Familie, ein Platz zum Durchatmen und ein Zuhause für neue Freundschaften.


Wenn ihn jemand aus seiner Heimat fragen würde, wie es ist, einen Kleingarten in Deutschland zu haben, wäre seine Antwort eindeutig:


„Einen Kleingarten in Deutschland zu haben, ist eine wunderbare Erfahrung!“


Wir freuen uns, dass Muhammed Teil unserer Gartengemeinschaft ist. Seine Geschichte erinnert uns daran, dass ein Kleingarten nicht nur Pflanzen wachsen lässt, sondern auch Menschen zusammenbringt.


Denn unser Kleingarten verbindet viele Länder, unterschiedliche Lebensgeschichten und eine gemeinsame Leidenschaft: die Freude am Garten und an der Gemeinschaft.


Viele Grüße
Muhammed