KGV Theklaer Höhe e.V.
Verfasst am 17.09.2026 um 20:22 Uhr

Wege neu denken – mehr Leben zwischen den Parzellen

KI Bild

Liebe Gartenfreunde, 


Unsere Wege in der Kleingartenanlage sind zum großen Teil sehr sauber, gepflegt und weitgehend unkrautfrei. „Blank und clean“, wie man so schön sagt. Das vermittelt Ordnung und Pflege – und genau das soll auch weiterhin so bleiben. Gleichzeitig lohnt sich ein genauerer Blick darauf, welche ökologischen Funktionen solche Flächen eigentlich erfüllen.


Ein vollständig blanker Weg kann vieles: Er ermöglicht den Zugang zu den Parzellen, erleichtert Transport und Pflege, sorgt für Ordnung und ist bei entsprechender Ausführung gut begeh- und befahrbar. Er kann aber auch vieles nicht: Er bietet kaum Nahrung für Insekten, nur wenig Lebensraum für Bodenorganismen und trägt nur begrenzt zu einem ausgeglichenen Kleinklima bei. Gerade bei starker Sonneneinstrahlung heizen sich unbedeckte Wegeflächen auf. Der Boden trocknet schnell aus, die Oberfläche kann bei Starkregen abgeschwemmt werden und zwischen den Pflegegängen entsteht kaum Raum für natürliche Entwicklung.


Genau hier setzt unsere neue Projektidee für das kommende Jahr an.


Wir möchten einen Teil unserer Wege bewusst ökologisch weiterentwickeln. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Unkraut einfach wachsen zu lassen oder die Wege verwildern zu lassen. Vielmehr wollen wir aus bislang weitgehend unbewachsenen Flächen gezielt gestaltete, trockenheitsverträgliche Lebensräume machen. Die Wege sollen weiterhin als Wege erkennbar bleiben, gepflegt und nutzbar sein – aber künftig auch mehr Leben ermöglichen.


Zwei Testwege als Ausgangspunkt


Für die erste Erprobung haben wir zwei geeignete Bereiche ausgewählt:

  • Südanlage: der Mittelgang zwischen den Parzellen 126 und 134 bzw. 141 und 135.

  • Nordanlage: der Weg vom Pumpenhaus Nord bis zur Parzelle 24.


Beide Bereiche erscheinen uns für einen solchen Versuch besonders geeignet. In den vergangenen zwei Jahren musste dort bereits kein Auto mehr entlangfahren. Dadurch besteht die Möglichkeit, die Wege für einen begrenzten Zeitraum aus der Verkehrsbelastung herauszunehmen und der Vegetation eine echte Entwicklungschance zu geben.


Ab dem Frühjahr sollen die beiden Testwege deshalb für zunächst ein Jahr vollständig für den Verkehr gesperrt werden. In dieser Zeit möchten wir beobachten, wie sich die Flächen entwickeln und ob sich eine dauerhafte, ökologisch sinnvolle Gestaltung umsetzen lässt.


Trockenheitsverträgliche Bepflanzung statt zufälliger Verunkrautung


Geplant ist der Versuch mit stark trockenheitsresistenten, niedrig wachsenden Pflanzen, beispielsweise Sand-Thymian oder Polster-Thymian. Solche Pflanzen können sich für die besonderen Bedingungen auf unseren Wegen eignen: viel Sonne, wenig Feuchtigkeit, nährstoffarme Böden und eine begrenzte Belastbarkeit.


Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell eine geschlossene grüne Fläche zu schaffen. Vielmehr soll sich schrittweise eine robuste, standortgerechte Vegetation entwickeln, die mit den Bedingungen zurechtkommt und gleichzeitig einen ökologischen Mehrwert bietet.

Die Auswahl der Pflanzen, die Vorbereitung der Flächen und die weitere Pflege sollen dabei sorgfältig erfolgen. Wir wollen nicht einfach irgendwo Saatgut ausbringen, sondern herausfinden, welche Pflanzen unter unseren konkreten Bedingungen tatsächlich funktionieren.


Was kann ein belebter Weg leisten?


Ein bewusst begrüntes und ökologisch entwickeltes Wegestück kann deutlich mehr sein als nur eine optische Veränderung:


1. Mehr Lebensraum für Insekten und andere Kleinstlebewesen
Blühende, niedrig wachsende Pflanzen können Nahrung und Rückzugsräume für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten bieten. Auch kleine Bodenlebewesen profitieren davon, wenn der Boden nicht dauerhaft vollständig offen und ohne Vegetation bleibt.


2. Ein besseres Kleinklima
Blanker Boden und helle, unbewachsene Wegeflächen können sich bei starker Sonneneinstrahlung erheblich aufheizen. Eine geeignete Vegetationsdecke kann dazu beitragen, die Oberfläche zu beschatten, die Erwärmung zu reduzieren und die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten. Wir erhoffen uns dadurch ein angenehmeres Klima unmittelbar auf und an den Wegen.


3. Mehr Leben im Boden
Wo Pflanzen wachsen, entstehen Wurzeln, organische Substanz und Wechselwirkungen zwischen Boden und Vegetation. Das schafft bessere Voraussetzungen für Bodenorganismen und kann langfristig zu einer lebendigeren Bodenstruktur beitragen.


4. Weniger Bodenerosion bei Starkregen
Pflanzenwurzeln können den Boden stabilisieren. Eine bewachsene Oberfläche kann dazu beitragen, dass Regenwasser nicht so ungebremst auf den Boden trifft und weniger Bodenmaterial abgeschwemmt wird. Gerade mit Blick auf zunehmende Starkregenereignisse ist das ein interessanter Ansatz.


5. Mehr Wasserrückhalt und weniger Austrocknung
Eine geeignete Bepflanzung kann helfen, Niederschlag besser im Boden zu halten und die Verdunstung zu reduzieren. Das ist besonders auf Flächen interessant, die ansonsten schnell austrocknen und sich stark erwärmen.


6. Vernetzung von Lebensräumen
Unsere Wege liegen zwischen den Parzellen und verbinden unterschiedliche Bereiche der Anlage. Wenn einzelne Wegestücke ökologisch aufgewertet werden, können sie möglicherweise als kleine Trittsteinbiotope dienen und so zur Vernetzung vorhandener Lebensräume beitragen.


7. Ein sichtbares Zeichen für eine neue Form der Pflege
Das Projekt zeigt, dass gepflegte Kleingartenwege nicht zwangsläufig vollständig vegetationsfrei sein müssen. Wir wollen ausprobieren, wie sich Ordnung, Nutzbarkeit und Biodiversität miteinander verbinden lassen.


Ein Projekt, das Zeit braucht


Uns ist bewusst, dass dieser Ansatz zunächst für Verwunderung sorgen kann. Viele kennen gepflegte Wege vor allem als vollständig saubere und unkrautfreie Flächen. Wenn dort plötzlich bewusst Pflanzen wachsen sollen, kann das zunächst ungewohnt wirken.


Deshalb möchten wir das Projekt transparent erklären und gemeinsam mit den angrenzenden Pächtern umsetzen. Es geht nicht um eine Abkehr von Pflege und Ordnung, sondern um eine Weiterentwicklung unserer Pflegeziele.


Das Projekt ist bewusst auf einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren angelegt. Die einjährige Verkehrssperrung ab dem Frühjahr bildet dabei zunächst die Testphase. Anschließend sollen die Flächen weiter beobachtet, gepflegt und gegebenenfalls angepasst werden.


Wir möchten unter anderem feststellen:

  • Welche Pflanzen entwickeln sich unter den örtlichen Bedingungen gut?

  • Wie trockenheitsverträglich und widerstandsfähig sind sie?

  • Wie verändert sich das Kleinklima auf den Wegen?

  • Entwickelt sich mehr Leben im Boden und auf den Flächen?

  • Wie gut funktioniert die Pflege?

  • Bleiben die Wege weiterhin nutzbar und ausreichend stabil?

  • Wie wird das Projekt von den angrenzenden Pächtern angenommen?

  • Lässt sich der Ansatz möglicherweise auf weitere geeignete Wegestücke übertragen?


Erst nach dieser Erprobungsphase wollen wir entscheiden, ob und in welchem Umfang das Projekt etwas gebracht hat. Wenn sich zeigt, dass die Vegetation funktioniert, die Pflege vertretbar bleibt und ein ökologischer Mehrwert entsteht, könnte daraus ein dauerhaftes Konzept für weitere Wege in unserer Anlage entwickelt werden. Sollte sich herausstellen, dass einzelne Ansätze nicht funktionieren, werden wir daraus lernen und die Gestaltung entsprechend anpassen.


Gemeinsam zum Erfolg


Ein solches Projekt kann nur funktionieren, wenn die angrenzenden Pächter es mittragen. Gerade in der Anwachs- und Etablierungsphase werden die Pflanzen auf Unterstützung angewiesen sein. Wir hoffen deshalb sehr, dass die Pächter an den beiden Testwegen unsere Idee unterstützen und die neu angelegten Bereiche insbesondere in der Anwachszeit bei Bedarf mit Wasser versorgen.


Gleichzeitig wollen wir darauf achten, dass der Pflegeaufwand überschaubar bleibt und die Flächen nicht zu einer zusätzlichen Belastung für einzelne Pächter werden. Ziel ist eine robuste, möglichst pflegearme und langfristig funktionierende Bepflanzung.


Unser Ziel


Wir wollen weg von der Vorstellung, dass ein guter Weg nur dann gut ist, wenn er vollständig blank bleibt. Stattdessen möchten wir zeigen, dass ein Weg auch Lebensraum, Klimafläche, Wasserrückhaltebereich und Teil eines funktionierenden ökologischen Netzwerks sein kann.

Unsere Wege sollen weiterhin sauber, gepflegt und nutzbar bleiben. Aber sie sollen künftig an geeigneten Stellen auch wieder mehr Leben ermöglichen.


Weniger blank. Mehr Bodenleben. Mehr Biodiversität. Mehr Zukunft für unsere Kleingartenanlage.



Euer Vorstand

Dokumente: